... zur Geschichte


Schon 1927 hatte die Stadt Weida Einrichtungen geschaffen, um ältere Bürger pflegen zu können. Im damaligen Städtischen Krankenhaus befand sich im linken Teil das Altenheim. Hier wurden die bedürftigen Bürger aus Weida und Umgebung bis zum 30. Juni 1947 betreut.

Vom 01. Juli 1947 bis zum 30. November 1948 erfolgte eine kurzzeitige Verlagerung des Altenheimes in die Wallstrasse 5 (graues Haus) neben dem Krankenhaus.

Um den älteren Bürgern, die Hilfe benötigten bzw. sich nicht mehr alleine versorgen konnten, einen angenehmen Lebensabend zu bieten, nutzte man ab 01. Dezember 1948 die ehemalige Villa "Fleming" in der Neustädter Strasse 73 als Altenheim. Hier war es möglich, 24 Bewohner aufzunehmen, die von acht Schwestern rund um die Uhr betreut wurden.

In den ersten Jahren nach er Eröffnung fehlte es an allem. Die Bevölkerung und die Betriebe wurden aufgefordert, Naturalien, Wäsche und Inventar zu spenden. Die Heimbewohner konnten anfangs einige Gegenstände aus ihrer häuslichen Umgebung und persönliche Sachen mitbringen.

Ab 1949 nutzte man zusätzlich das Gebäude gegenüber, welches als Haus 2 bezeichnet wurde, in dem im Erdgeschoss Betreuungsschwestern mit oder ohne Familien und in der 1. Etage ca. 10 Heimbewohner wohnten.

Eine besondere Freude für die Heimbewohner war, als der Landtagspräsident von Thüringen im Dezember 1950 sieben Bücher für das Heim spendete. Ein Jahr später besuchte er mit seiner Gattin diese Einrichtung, wobei er jeden Einzelnen begrüßte und kleine Präsente und Blumen überreichte. Nach seinem Besuch erhielt das Heim den Namen „August-Frölich".

In den 50er Jahren erhielt das Heim vom Rat der Stadt Zuschüsse aus dem Haushaltsetat. Diese Mittel sollten zur Anschaffung von Haushaltswaren, Haushaltswäsche, für die kulturelle Betreuung und Kleinreparaturen genutzt werden. Weiterhin unterstützt der Rat des Kreises diese Einrichtung mit finanziellen Mitteln, die für die Werterhaltung des Gebäudes bestimmt waren. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, da auch die Wasserleitungen defekt waren. Ein Brand im Frauenschlafraum verursachte noch weitere Kosten.

Im Jahre 1952 finanzierte die Stadt Weida einen Ausflug aller Heimbewohner an die Saaletalsperre in Saalburg. Außerdem erhielten die Bewohner 40 Freikarten für den Besuch des Zirkus Hill. Für die Weihnachtsfeier spendierte die Vorsitzende des Bezirkstages Gera, Frau Poser, den Bewohnern des Heimes Kakao und Tee. Verschiedene Gärtnereien von Weida (Baake, Lenzer) sorgten für eine schöne Tischdekoration. Auch der Landtagspräsident, August Frölich, erfreute die Heimbewohner mit weiteren Büchern. In diesem Jahr renoviere man auch sämtliche Räume, wobei die Zimmer teilweise mit neuem Mobiliar, wie zum Beispiel Schränke, Tische und Betten ausgestattet wurden. Bei Neuanschaffungen und Renovierungen des Heimes brachten die Bewohner ihre Freude durch kleine Feiern zum Ausdruck. Hierbei spielte ehrenamtlich die Musikgruppe „Osterland" und der Kirchenchor sang mit den Heimbewohnern. Bei schönem Wetter konnte dazu der Garten genutzt werden.
1971 wurde das Feierabendheim „August Frölich" in ein Alten- und Pflegeheim umprofiliert. Durch Umstrukturierung wurde die Anzahl der Betten auf 40 erweitert und somit konnten die Heimbewohner aus dem Haus 2 (gegenüber) ins Hauptgebäude verlegt werden. Diese frei gewordenen Räume in der 1. Etage wurden für das Verwaltungspersonal umgestaltet. Das angrenzende Grundstück dieses Gebäudes nutzte man als Garten. Hier wurden unter anderem Kartoffeln, Gemüse und Blumen angebaut. Heimbewohner, die sich noch betätigen konnten, waren im Garten und der Küche tätig.

Bei einem Gespräch mit Frau Fiedler erfuhren wir, dass sie von 1972 bis 1989 zuerst als Leiterin und dann als Stationsschwester im Pflegeheim tätig war. Sie nahm ihre Aufgaben sehr ernst, erfüllte sie mit viel Fleiß und arbeitete nach dem Motto:

„im Vordergrund steht die Sorge um den Menschen,
die Sorge um sein Wohlergehen, um seine Gesunderhaltung"

 

Dieses Heim wurde von der Bevölkerung sehr gelobt, da sich die Heimleitung und das Pflegepersonal besonders viel Mühe mit den älteren Heimbewohnern gab. Durch die aufopfernde und liebevolle Einsatzbereitschaft der Schwestern wurden die Bewohner des Heimes mobilisiert und hatten ein zufriedenes Dasein.

Besonders zu erwähnen war Schwester Hertha Maski, die seit 1972 im Pflegeheim „August Frölich" mit weiteren Kolleginnen die 40 Heimbewohner rund um die Uhr betreute. Sie hatte sich mit 57 Jahren noch einmal auf die Schulbank gesetzt und Fachbücher gewälzt, um sich zu einer Fachkrankenschwester zu qualifizieren. Dort lernte sie auch wie die neuen Medikamente und medizinischen Geräte angewandt werden. Sie arbeitete gern als Schwester und konnte gut mit älteren Menschen umgehen. Das Schönste für sie war, wenn Patienten, die lange Zeit ans Bett „gefesselt" waren, nach einiger Zeit wieder im Garten sitzen konnten.

Frau Fiedler berichtet uns auch, wie schwer es war, Arbeitskräfte für die Pflege von älteren Menschen zu gewinnen, da die Bezahlung sehr schlecht war und auch viele Überstunden anfielen. Die Betriebe wurden aufgerufen, Werktätige für das Pflegeheim abzustellen. Der Patenbetrieb "Eltro" unterstützte zum Beispiel das Heim, indem er Handwerker für notwendige Reparaturarbeiten schickte. Sie als Leiterin, musste teilweise durchgehend bis zu 36 Stunden arbeiten, damit die zu betreuenden Heimbewohner versorgt werden konnten.

Um dringend notwendige Rekonstruktions- und Werterhaltungsmaßnahmen realisieren zu können, wurde in den Volkswirtschaftsplänen der Stadt Weida jährlich entsprechende Mittel geplant und zur Verfügung gestellt. Weitere finanzielle Unterstützung erhielt das Alten- und Pflegeheim durch den Kommunalvertrag der Stadt Weida mit den ortsansässigen Betrieben.

1977 wurden laut Volkswirtschaftsplan 106,5 TM für Werterhaltungsmaßnahmen sowie 10 TM für Grünanlagen ausgegeben. (Quelle: Volkswirtschaftsplane Rat der Stadt Weida) Aus dem Kommunalvertrag stellte man 1987 für eine neue Stationsküche, ein zusätzliches Bad und einen zweiten Aufenthaltsraum 22,3 TM zur Verfügung.
(Quelle: Kommunalvertrag Rat der Stadt Weida) Im gleichen Jahr konnte das Heim 80,0 TM, die aus dem Staatshaushalt kamen, für Malerarbeiten der gesamten Einrichtung und Verlegen von neuem Fußboden ausgegeben. (Quelle: Schreiben vom Rat der Stadt Weida Abt Finanzen vom 10.03.1988)

Im Jahre 1984 übernahm Frau Kretowitsch die Leitung des Heimes. Ab diesem Zeitpunkt übte Frau Fiedler ihre Tätigkeit als Stationsschwester aus.
Die Ärzte Dr. Krause, Frau Dr. Becker, Frau Dr. Keidel, Dr. Lange, Frau Dr. Kontschinsky und Dr. Hoyer übernahmen bis 1989 die gesundheitliche Betreuung der Bewohner des Alten¬und Pflegeheimes. Sie kamen regelmäßig zu Konsultationen und falls erforderlich übernahmen sie die weitere Behandlung der erkrankten Heimbewohner.

Das Altersheim wurde in den Jahren 1949 bis 1972 von Schwester Lotti, Frau Grabein, Frau Gebauer, Frau Babuin und Herrn Thomsen geleitet.

Trotz wenig finanzieller Mittel hatte man sich bemüht, den Fortbestand des Heimes so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Um den Heimbewohnern den Aufenthalt angenehmer zu gestalten und die Pflege zu verbessern, war es notwendig, bauliche Veränderungen durchzuführen. So installierte man 1990/91 unter anderem neue Sanitäranlagen und zwei Pflegebäder. Die elektrischen Anlagen und die Heizung wurden erneuert, eine Schwesternrufanlage auf den neuesten Stand gebracht und das Dach neu gedeckt.

Im April 1995 übernahm der Behindertenverband Gera e. V. die Trägerschaft. Dieses war Anlass für eine kleine Feier gemeinsam mit allen Heimbewohnern, Angestellten, Vertretern des Behindertenverbandes, des Stadtrates und der Stadtverwaltung. Durch die Übernahme des neuen Trägers war der Fortbestand des Heimes abgesichert. Seitens des Behindertenverbandes wurde den Bewohnern versichert, dass sie weiterhin bestens versorgt und betreut werden. Die Heimleiterin, Frau Kretowitsch und das Pflegepersonal sorgten dafür, dass sich die Heimbewohner wie in einer großen Familie fühlten.

Im Oktober 1998 wurde das Heim in die Trägerschaft der B & R gGmbH eingegliedert.